Adler fliegen nicht mit Tauben - Quality Magazine
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Adler fliegen nicht mit Tauben

Ein Flügelschlag, zwei Flügelschläge und noch einer: Schon landet der imposante Greifvogel auf dem Arm des Falkners. „Aug‘ in Aug‘ mit dem Adler“ ist für die Adlerwarte Berlebeck nicht nur ein metaphorischer Spruch, sondern gelebte Realität.

von Delilah Werdermann | Fotos von Matthias Groppe – Fotodesign

Ein greller Schrei ist quer über die Heide zu hören. Bernsteinfarbene Augen starren einen an. Woanders wird eine Maus genüsslich verschlungen. In Detmold, einer doch recht überschaubaren Stadt in Nordrhein-Westfalen, geht es tagtäglich hoch in die Lüfte. Und zwar nicht für die Menschen, sondern die Tiere, die dort zu Hause sind. Die Rede ist von der ältesten und gleichzeitig artenreichsten Greifvogelwarte Europas. Mit über 180 großen und kleinen Greifen aus 48 Arten ist hier nicht nur der Adler – obwohl es der Name Adlerwarte suggeriert – als gefiederter Freund vertreten. Bei den imposanten Freiflugvorführungen, die die Besucher immer wieder begeistern, ist es durchaus üblich, wenn plötzlich viele Federn mit rasend schneller Geschwindigkeit über die Köpfe hinwegfegen.

Dabei kann die Adlerwarte Berlebeck auf eine Geschichte zurückblicken, die mitten im zweiten Weltkrieg begann. 1939 wurde sie vom Ehepaar Adolf und Kati Deppe gegründet. Adolf Deppe hatte es sich zur Aufgabe gemacht, „lebendige Naturdenkmäler“ in all ihrer Schönheit und Kraft einem größeren Publikum zu zeigen. Letztendlich entschied er sich für Berlebeck, denn das hohe Felsmassiv war für die Greifvögel wie geschaffen zum Fliegen, wenig später wurde der Betrieb im selben Jahr an Pfingsten aufgenommen. Aufgrund der Kriegswirren kamen allerdings nur wenige Besucher zur Adlerwarte, die 1945 leider zerstört wurde, aber drei Jahre später wieder aufgebaut werden konnte.

In den 50er und 60er-Jahren diente die Adlerwarte auch als Kulisse für deutsche Filme wie „Die Geierwally“ (1956) und „Die Schlangengrube und das Pendel“ (1967). Die Aufzucht- und Pflegestation, die 1975 eingerichtet wurde, ist heute ein wichtiger Bestandteil der Adlerwarte. Dort werden die liebevoll genannten „Pechvögel“ per Hand aufgezogen oder wieder aufgepäppelt, um später in die freie Wildbahn entlassen zu werden. Der Artenschutz geht aber weit über die deutschen Landesgrenzen hinaus: In Ecuador ist der „Parque Condor“ aktiv an der Aufzucht und Wiedereinwilderung des Andenkondors beteiligt. Dass aus den kleinen Küken später imposante Vögel mit einer Flügelspannweite von ca. 3,30 m werden, ist beim anfänglich fast unbefiederten Aussehen kaum zu glauben. Einen großen Erfolg erzielte die Adlerwarte 1989, als zum ersten Mal ein Andenkondorpaar in Europa brütete.

Wo zu Gründungszeiten nur wenige Tiere in der Adlerwarte beheimatet waren, sind es heute unzählige: Weißkopfseeadler, Habichte, Wüstenbussarde und andere Vögel fliegen hier ihre Runden. Diese Erfolge wurden 2019 bei einem großen Jubiläum gefeiert: Mit den abgeschlossenen Renovierungsarbeiten wurden neue Tiere und ein spezielles Eulenprogramm präsentiert.

Auch Falkner Benny Aschmann war mit von der Partie, der die Flugshows leitet. Schon als kleiner Junge war er fasziniert von den Greifvögeln und regelmäßiger Besucher der Adlerwarte. Kein Wunder also, dass der Falkner mit seinem Steinadler ganz lässig vor dem gelben McLaren bei unserem Shooting posierte. Und man könnte fast meinen, sie hätten nie etwas Anderes gemacht. Vielleicht ist ja ein Auto unserem Steinadler lieber als ein gewöhnlicher Horst? Wir wünschen gute Fahrt, pardon… Abflug!

www.detmold-adlerwarte.de

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